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Kurzverzeichnis der 35 in dieser Ausgabe enthaltenen Schriften:

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GE   EG   WW   PF   FN   GW   HG   RP   MA   CM   TH   AN   WE   SE   FK   AC   GU  

PdE   PdS   HdS   DSE   WS   SW   GF   GK   VM  VS  GG  KS   AD   DS   SL   AL   EH   ML

Neuntes Bild.

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DSE, 84-88

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Ein kleines, ernst stimmungsvolles Zimmer, – wie ein Studierzimmer – im Hause des Hilarius. – Zunächst Maria allein in Meditation.

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Maria:

Ein Seelenstern, am Geistesufer dort, ‒

er nahet, ‒ nahet mir in Geisteshelle,

mit meinem Selbste nahet er, ‒ im Nahen ‒

gewinnt sein Licht an Kraft, ‒ an Ruhe auch.

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Du Stern in meinem Geisteskreise, was

erstrahlt dein Nahen meiner Seelenschau?

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(Es erscheint Astrid.)

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Astrid:

Erkenne, was ich dir verleihen darf;

dem Weltenkampf des Lichts mit Finsternissen

entwand ich deines Denkens Kraft; ich bring’

sie dir aus Weltenmitternachterwachen

in deine Erdenform getreu zurück.

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Maria:     

Du, meine Astrid, warst bisher mir stets

als leuchtend’ Seelenschatten nur erschienen;

was schafft dich mir zum hellen Geistesstern?

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Astrid:

Die Blitz- und Donnerkraft erhielt ich dir,

daß sie im Seelensein bewahrt dir blieb, ‒

und du sie wissend jetzt erschauen kannst, ‒

erinnernd dir die Weltenmitternacht.

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Maria:     

Die Weltenmitternacht! ‒ bevor die Hülle

zu diesem Erdeleben mir das Selbst   |85

umschloss; ‒ im Farbenlicht Saturns durchwacht!

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Das Erdendenken hüllte mir bisher

dies Geisterlebnis in die Seelentrübnis; ‒ ‒

es steigt empor zur Seelenhelle jetzt.‒ ‒

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Astrid:

Du sprachst im Weltenlichte selbst das Wort:

»O Zeitendauer, ich erflehe mir:

ergiesse dich in diese Seligkeit,

und lass’ den Führer, lass’ die andre Seele

mit mir in dir jetzt friedevoll verweilen.«

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Maria:

Verweile du auch mir, O Augenblick,

der mir dies Geistgeschehn als Kraft des Selbst

erschaffen durfte. Rüste meine Seele,

daß du mir nicht, dem Traume gleich, entschwindest. ‒

​

Im Licht, das Weltenmitternacht erleuchtet,

das Astrid mir aus Seelentrübnis schafft,

vereint mein Ich sich jenem Selbst, das mich

im Weltenwesen sich zum Dienst erschuf.

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Doch wie erhalt’ ich dich, du Augenblick,

daß ich dich nicht verliere, wenn die Sinne

um mich die Erdenhelle wieder fühlen?

​

Denn groß ist ihre Kraft; ertöten sie

das Geistgeschaute, ‒ ist es oft auch tot,

wenn sich das Selbst im Geiste wiederfindet.

​

(Auf die letzten Worte hin erscheint, wie durch diese gerufen, Luna.)

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Luna:

Bewahre dir, bevor das Sinnensein

dich wieder träumend macht, die Willenskraft,

die dieser Augenblick dir schaffen durfte.

​

Gedenk’ der Worte, die ich selber sprach,

als du zur Weltenmitternacht mich sahst.

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Maria:

Du, meine Luna, hast die Willenskraft

mir aus der Weltenmitternacht hieher

als Stütze in das Erdesein gebracht.   |86

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Luna:

Es folgte meinem Wort des Hüters Mahnung:

​

»Du wirst jetzt anders vor dir selber stehn;

in ältrer Zeiten Bild dein Selbst erschauen.

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Erkennen, wie zum Geisteshöhenflug

die Schwingen auch im Seelensturz erstarken;

es darf die Seele niemals stürzen wollen;

doch muß sie Weisheit aus dem Sturze holen.«

​

Maria:

Wohin entführt mich deines Wortes Kraft?

Ein Geistesstern am Seelenufer dort! ‒

​

Er leuchtet, ‒ nahet sich ‒ als Geistgestalt;

mit meinem Selbste ‒ nahet er, ‒ im Nahen

gewinnt das Licht an Dichte. ‒ Formen, die

im Licht sich dunklen, wesenhaft sich gebend ‒!

​

Ein junger Myste, eine Opferflamme,

des höchsten Opferweisen streng Gebot,

der Flamme Inhalt sinngemäß zu künden!

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‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒ ‒

​

Der Mystenkreis, von Schrecken ganz verwirrt,

ob jenes jungen Mysten Selbstbekenntnis!

​

(Der Hüter der Schwelle erscheint während der letzten Sätze.)

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Der Hüter:

Im Geistgehör ergründe dir auch noch

des höchsten Opferweisen streng’ Gebot.

​

Maria:     

»So lies, du Menschenseele, was die Flamme

im Weltenwort als Innres dir verkündet.»

​

Wer sprach das Wort, das mir mein eignes Denken

erinnernd aus den Seelenfluten trägt?

​

(Benedictus erscheint nach den ersten Sätzen.)

​

Benedictus:

Mit meinem Worte riefst du mich zu dir. ‒

Als ich dies Wort vor Zeiten dir gebot:

es fand dich nicht zum Folger mir bereit.

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Es ruhte dann im Schoss des Weltgeschehns;   |87

der Zeiten Länge hat ihm Kraft verliehn,

die ihr aus deiner Seele Leben floss;

so wirkte dir’s in spätern Erdeleben

in deinen Seelentiefen unbewußt.

​

Es ließ dich mich als Führer wiederfinden.

​

Es schafft sich jetzt bewußt gedankenhaft

in dir zum starken Lebensinhalt um.

​

»Was wir als mystisch Weihewerk vollbringen,

Bedeutung hat es doch nicht hier allein;

es geht des Weltgeschehens Schicksalsstrom

durch Wort und Tat des ernsten Opferdienstes.«

​

Maria:        

Nicht du sprachst dieses Wort an jenem Orte;

der Opferweise sprach’s, der dir Gefährte

in jenem alten Mystenbunde war.

​

Daß dieses Bundes Ende Schicksalsmacht

in jener Zeit schon vorgesehn, war ihm

bekannt. ‒ Des schönen Scheines Morgenröte

erschaut’ der Opferweise unbewußt,

die über Hellas eine neue Sonne

dem Geistesstrom der Erde vorverkündet’.

​

So unterdrückte er Gedankenmacht,

die er in meine Seele lenken sollte.

​

Er diente als des Weltengeistes Werkzeug

bei jenem Weihewerk, durch welches er

des Weltgeschehens Strömung raunen hörte.

​

Er sprach ein Wort aus tiefstem Seelengrunde:

»Ich lerne sie fürwahr hier tief erkennen:

die Einsamkeit am ernsten Geistesort.

​

Warum bin ich an diesem Ort allein?«

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Benedictus:

In seiner Seele keimte so der Trieb

nach Einsamkeit; es reifte dieser Keim

im Zeitenschoss zur Seelenfrucht sich aus.

​

Capesius erlebt die Frucht als Myste;

sie trieb ihn, Felix’ Vorbild nachzufolgen.   |88

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Maria:     

Doch jene Frau, die in des Tempels Näh’

sich hielt; ich schaue sie in alter Zeit,

doch dringt mein Blick in ihre Gegenwart

noch nicht; wie find ich sie, wenn Sinnensein

mich wieder träumend macht?

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Der Hüter:

                                    Du wirst sie finden,

wenn du im Seelenreich das Wesen schaust,

das sie als Schatten unter Schatten ahnt.

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Sie strebt nach ihm mit starker Seelenkraft.

Sie wird es aus dem Schattenreich erst lösen,

wenn sie durch dich in ihrer Gegenwart

ihr langvergangnes Erdensein erschaut.

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Maria:

Es schwebt als Seelenstern der ernste Hüter

nach meinem Seelenufer leuchtend hin ‒;

sein Leuchten breitet Ruhe weit im Weiten ‒ ‒,

Erhabenheit entstrahlet ihm; ‒ sein Ernst

durchkraftet mich im tiefsten Wesensgrunde;

ich will in diese Ruhe untertauchen ‒ ‒;

ich fühl’ es vor, ich werde mich durch sie

zum vollen Geisteswachen führen können.

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Ich werde euch, ihr meine Seelenboten ‒ ‒ ‒

als Leuchtesterne mir im Sein erhalten ‒ ‒.

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Dich, Astrid, will ich rufen, wenn Gedanken

der Seelenhelle sich entwinden wollen. ‒

​

Und dich, O Luna, mög’ mein Wort mir finden,

wenn Willensmacht in Seelentiefen schläft. ‒

​

(Der Vorhang fällt, während Maria, Astrid und Luna noch im Zimmer sind.)   |

​

Der Seelen

Erwachen

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